Das Social Web, Google+ und Dein Blog

Über die Relevanz eines Blogs im Social Web sind wir uns alle im Klaren. Auch wenn es bei jedem neuen Aufstieg eines neuen Sozialen Netzwerkes den Gedankengang gibt auf den eigenen Blog aufgrund von Wartungsaufwand und administrativer Arbeiten zu verzichten und dafür seine Präsenz in einem Social Network auf bzw. auszubauen. Und eben auch wenn man rechtlich immer wieder unzählige Dinge wie das Leistungsschutzrecht, Lizenzrechte bei Bildern und die Rechtskonformität der digitalen Präsenz alle paar Monate anpassen muss, lohnt sich der Aufwand im Nachhinein. Denn ein Blog lebt in der Regel auch von der Flexibilität des jeweiligen Systems. WordPress, Tumblr, Blogger und Co. bieten unzählige Möglichkeiten sich mit den Social Networks und selbstverständlich auch anderen Bloggern zu verbinden.

Nun gilt es im Vorfeld dem eigenen Blog ein Gesicht zu geben. Auch außerhalb des eigenen Blogs. Dies erreicht man glücklicherweise durch eine Verknüpfung des Author-Tags mit dem eigenen Google+ Profil. Insbesondere in einem Blog in welchem mehrere Autoren vorhanden sind, kann dies nützlich sein, denn in naher Zukunft zählt auch der von Google eingeführte Author-Rank. Dieser ist im Moment zwar vorhanden, wird aber noch nicht in Googles Algorithmus aufgenommen. Was zählt sind derzeit vielmehr die sozialen Interaktionen zu den jeweiligen Beiträgen und Artikeln. Und selbstverständlich gibt man Google+ den Vorrang wenn es um das Ranking in der Suchmaschine geht. Wer also öfters eingekreist wird, hat in Zukunft wohl bessere Möglichkeiten bei Google positiv gerankt zu werden.

Diese Entwicklung ist begrüßenswert. Zwar ist es selbstverständlich so, dass man Google mehr Futter fürs Targeting der eigenen Daten gibt, aber man hat dafür eben auch den Effekt besser und effizienter gefunden zu werden. Dadurch dass mittel- und langfristig ohnehin nur noch soziale Interaktionen gelten ist somit auch diese ganze, vor Jahren noch hochkomplexe, SEO-Geschichte Vergangenheit. Was zählt sind ab jetzt nur noch die Inhalte die Du mit deinem Blog zur Verfügung stellst. Und natürlich auch wie gut man mit anderen Blogs vernetzt ist. Und ob man es wahrhaben möchte oder nicht: Das Leistungsschutzrecht begünstigt die Qualität der Blogs und der gesamten
deutschsprachigen Blogosphäre. Um den Effekt zu verstärken sollte man einfach öfter aufeinander verlinken.
Wie oft findet man „sperrige“ Blogs die bspw. zwar informativ sind und mit Fachwörtern um sich werfen, aber diese Information nur an einen gewissen Nutzerstamm vermitteln können, weil entsprechendes Grundwissen vorausgesetzt ist? Mehrwert für den Leser würde es bringen, diese Informationen mit Hilfe der Artikel anderer Blogs zu füllen und zwar mittels einfacher Verlinkungen. Als Blogger selbst ist es (insbesondere wenn es Themenspezifisch wird) unmöglich dem Leser das nötige Wissen von Anfang an zu vermitteln, warum also nicht durch konstruktiven Linkaufbau „Partnerschaften“ zu anderen Blogs etablieren?
Diese Angst vor dem Leistungsschutzrecht ist ebenfalls nicht nötig. Letztlich ist es offensichtlich, dass sich die Presseverlage letztendlich nur selbst Schaden und die einzigen Leidtragenden möglicherweise tatsächlich die „etablierten“ Blogger, welche auch mit einer gewissen Professionalität im Vorfeld (bspw. durch journalistische Erfahrung, die Arbeit als Redakteur einer Online-Zeitung etc.) an das Thema Leistungsschutzrecht herangegangen sind, sind. Diese wären gezwungen auf andere (möglicherweise junge oder noch nicht etablierte) Blogs zu verlinken. Um die Authentizität gegenüber den Lesern nicht zu verlieren, wäre es natürlich dramatisch auf „unseriöse“ Formate in der Quellenangabe zurückzugreifen. Meiner Meinung nach ein sehr schräges Bild und vermutlich auch einer der Gründe, für die niedrige Interaktionsrate mit der Petition gegen das Leistungsschutzrecht. Weil eben letztlich nur die „professionellen“ Blogger betroffen sind.

Im Hinterkopf sollte man auch behalten, dass der eigene Blog immer Teil des Social Webs sein wird, wenn man es möchte. Vom Prinzip her waren Blogs auch die Initiatoren des Web 2.0, denn letztlich ist jeder Artikel auch von Nutzern generierter Inhalt. Social Networks haben diesen Mechanismus übernommen und sind eben nutzerfreundlicher als Blogs. Mit allerdings einem wesentlichen Unterschied: Es fehlt an Flexibilität, Gestaltungsmöglichkeiten und teils an Funktionalität. Diesen Schwachpunkt der Social Networks sollte man sich immer vor Augen führen. An wer-kennt-wen und MySpace hat man grandiose Beispiele für Aufstieg und Fall der sozialen Netzwerke gesehen. Die Nutzer wandern weiter zum nächsten Social Network mit anderer Mechanik aber gleichen Inhalten. Ein Blog hingegen ist immer präsent mit gleichen Inhalten aber flexibler Mechanik.

Um den eigenen Blog in Zukunft gut im Social Web zu platzieren, zählt also wie schon so oft gesagt und von Google gepredigt: Guter Inhalt und Mehrwert für den Leser. Dies ist im Prinzip nur durch die oben genannten Punkte zu erreichen. Also keine Scheu vor Google+ und dem Leistungsschutzrecht. Zwar hat Sascha Lobo Anfang Februar das Jahr 2012 zum Jahr der Blogs ausgerufen, aber viel davon merkt man hierzulande noch nicht. Schade eigentlich.

Über den Autor: Christian Fein bloggt bei Boxedpages über das Social Web, Innovationswirtschaft und Medienrecht.